UNSER NEUES ZUHAUSE

LOKSCHUPPEN AALEN

 

 


Man kann einen alten, charmanten Lokschuppen leicht zu Tode sanie-
ren und niemand würde beim Betreten der Räumlichkeiten mehr er-
kennen können was die ehemalige Funktion des Gebäudes war. Oder
man hat - wie in diesem Fall - das Glück, dass sich ein Investor des
Objektes annimmt, dem viel daran liegt, den Charakter des ehemaligen
Industriegebäudes zu erhalten.

Die Umnutzung der alten Industriehalle in zeitgemäße Gewerbe- und
Büroeinheiten setzte den Startschuss für die Revitalisierung des ehe-
maligen Baustahlgeländes. Dank des einzigartigen Ambientes im Lok-
schuppen war schnell ein charmanter Mietermix mit Unternehmen aus
dem Kreativbereich, Handel und Gastronomie gefunden.

Doch zunächst zur Ausgangssituation:
Der alte Lokschuppen ist 14 m breit, und 70 m lang. Das 6,50 m hohe
Dach wird von einer alten Holzkonstruktion getragen. Auf der Westseite
befindet sich eine alte Ziegelsteinfassade. Auf der Ostseite verschiedene
Anbauten, die aufgrund der schlechten Bausubstanz abgerissen werden
müssen.
Die langestreckte hohe Halle soll in 6 unterschiedlich große Büro- und
Gewerbeeinheiten aufgeteilt und dann vermietet werden.
Um als Investor einen maximalen Flächengewinn zu erzielen, hätte man
nun einfach eine 2. Ebene in das Gebäude einziehen können. Dadurch
wäre aber der industrielle Charakter des Lokschuppens verloren ge-
gangen. Höhe und Großzügigkeit des ursprünglichen Gebäudes wären
nicht mehr erlebbar und die beeindruckende Tragwerkskonstruktion –
wenn überhaupt - nur noch teilweise im 1. Stock sichtbar gewesen.

Der Investor und das Büro L/A haben eine andere Lösung gewählt: Um
zusätzliche Mietflächen zu schaffen, wurden in den einzelnen Lofts neue
Zwischendecken aus Beton eingezogen. Die Besonderheit: die neuen
Decken liegen auf X-förmigen Stützen auf und sind nicht mit den alten
Bestandswänden verbunden. Auf diese Weise entstanden zweigeschos-
sige Lufträume, die die 6,50 m Raumhöhe – auch in den Randbereichen
- weiterhin erlebbar machen. So konnten auch die alte Kranbahn und
die über 2 Geschosse laufenden Fenster erhalten werden.

Damit für die zusätzlichen Lasten der Zwischendecken keine neuen
Fundamente gebaut werden mussten, funktionierten die Architekten
die alten Wartungsgruben unter den Gleisen um. Die X-förmigen Be-
tonstützen der neuen Decken leiten nun die zusätzlichen Lasten ge-
zielt in diese Gruben ab und sichern so die statische Aussteifung der
Einbauten und des Bestandes. Gleichzeitig wurden die Wartungsgru-
ben zur Längsverteilung der Installationen genutzt.

Die Beheizung des Gebäudes erfolgt über die Zwischendecken, in
die eine Bauteilaktivierung integriert ist. Die Decken geben somit
nach unten als Deckenheizung und nach oben als Fußbodenheizung
Wärme ab.

Im Lokschuppen bleibt auch nach dem Umbau der alte Bestand ab-
lesbar. Neues setzt sich bewusst vom Alten ab. Alte unverputzte Be-
standswände stehen im Kontrast zu neuen Einbauten. Damit die
Dimension des Gebäudes auch nach der Aufteilung in 6 Einheiten
noch spürbar ist und auch das alte Holztragwerk gebührend zur
Geltung kommt setzten die Planer bei den Zwischenwänden zu
den anderen Lofts teilweise im Dachbereich Glasscheiben ein.

Für das Materialkonzept des Umbaus haben die Architekten Roh-
materialien ausgewählt, die den industriellen Charakter des Lok-
schuppens unterstreichen: Die Kücheneinbauten und die Schränke
sind aus Holz, die Besprechungsräume aus Glas, die Geländer aus
Stahl und der Sanitärbereich aus Sichtbeton. Auch im Außenbereich
wurde das Materialkonzept fortgesetzt: Die Lücken im Mauerwerk,
die an der Ostfassade durch den Abriss der 1 und 2 geschossigen
Anbauten entstanden sind wurden mit Industrieverglasungen aus
Profilit geschlossen. Der Wechsel von transluzenten Glaselemen-
ten und geschlossenen Mauerflächen ist besonders abends reizvoll,
wenn das Gebäude erleuchtet ist.

Erhalten werden konnte vom Bestand außerdem das rote Ziegel-
mauerwerk an der Westfassade und die großen Öffnungen durch
die früher die Lokomotiven in den Schuppen gefahren wurden. Sie
wurden mit großen Fensterflächen geschlossen, die im Innern für
ein schönes Ambiente sorgen und dem Betrachter die Dimensio-
nen und die ehemaligen Funktion des Gebäudes nochmals vor
Augen führen.

Nach der Umnutzung des Lokschuppens mussten auch die dem-
entsprechend neuen Brandschutzbestimmungen eingehalten wer-
den. Drei markante Außentreppen sichern den Nutzern aus allen
Einheiten den direkten Fluchtweg nach draußen. Da im ursprüng-
lichen Gebäude kein Kellergeschoss zur Verfügung stand, wurde
die gesamte Technik in einem Versorgungsturm außerhalb des
Lokschuppens platziert.




Beteiligte Firmen:

Beton- u. Fassadeninstandsetzung /
Brandschutz / Restaurationsarbeiten

Schupp Beschichtungen mit System

Dachabdichtungs- u. Trapezblecharbeiten
Kratky GmbH & Co. KG

Elektrotechnik
Elektro Jerg GmbH

Estricharbeiten
Estrich-Wagner GmbH

Fachplanung Elektrotechnik
Ing. Büro Kummich & Weißkopf

Fliesenarbeiten
Fliesen Abele GmbH & Co. KG

Heizung / Sanitär / Klima / Lüftung
Walter König Gebäudetechnik GmbH

HLS-Planung
Josef Spielmann Dipl.-Ing. (FH)
Ingenieurbüro für Versorgungstechnik


Leichtmetall und Verglasungsarbeiten
iSK Metallbau GmbH

Sonnenschutz
Rollladenbau Thomas Kaiser ek.